Mama und Fit – unsere Geschichte

Über uns: Wie Mama und Fit entstanden ist

Es begann mit einer Frage, die ich mir selbst nicht beantworten konnte.

2010 war ich Projektmanagerin bei einem großen Konzern. Vollzeit, viel unterwegs, verantwortlich für 15 Häuser in Nord- und Westdeutschland. Ich war sportlich, fit, hatte mich immer wohl in meinem Körper gefühlt. Geräteturnen und Tennis als Kind, Tanzen als Teenager, Snowboarden und Joggen im Studium, später kam noch Rückenschule und Squash dazu. Mein Körper und ich waren ein gutes Team.

Dann wurde ich schwanger. Und plötzlich war ich unsicher.

Was darf ich noch? Was schadet meinem Baby? Ist das, was ich esse, denke, tue, sicher? Ich habe gegoogelt, gelesen, gesucht. Damals gab es noch nicht so viele Infos wie heute, ich hatte keine Apps, kein Youtube, nicht mal ein Smartphone. Und je mehr ich las, desto unsicherer wurde ich. Im Geburtsvorbereitungskurs hat mir niemand erklärt, was mit meinem Körper genau passiert. In der Schwangerschaftsyoga- Gruppe hat mir niemand vermittelt, warum wir – zu meinem Entsetzten!- atmen und summen (statt Sport zu machen), ich hab mich furchtbar gelangweilt.

Dann kam unsere Tochter. Per Kaiserschnitt. Und ich saß im Wochenbett und wusste nicht, was mein Körper gerade braucht, was ihm gut tut und was er auf gar keinen Fall tun sollte. Ich erinnere mich noch genau, wie ich beim Stillen saß und dachte: Mein Körper gehört nicht mehr mir.

Die Rückbildung. Und die große Leerstelle danach.

Ich bin zur Rückbildung gegangen, weil man das so macht. Mir war vor allem wichtig: nah von zu Hause, und ohne Baby. Ich brauchte diese eine Stunde in der Woche, die nur mir gehört.

Was ich dort gelernt habe? Dass mein Beckenboden irgendwo existiert. Wo genau: keine Ahnung. Wie ich ihn anspanne: auch keine Ahnung. Alle anderen schienen es zu wissen, also habe ich nichts gefragt. Ich habe mich nicht getraut, denn mir war es peinlich die Einzige sein, die es nicht kapiert. (Spoiler: war ich nicht!)

Nach der Rückbildung wollte ich weiter Sport machen. Zu Hause hatte ich eine Pilates-DVD und eine Yogamatte. Das ging für ein paar Minuten ganz gut, aber unsere Tochter ließ sich einfach nicht länger ablegen. Sie wollte immer ganz nah bei mir sein, auf dem Arm oder in der Trage. Jedes Mal, wenn ich sie auf die Matte gelegt habe, hat sie gemeckert oder geweint. Ich konnte kaum eine Übung zu Ende machen, war abgelenkt, unkonzentriert, und habe die Übungen wahrscheinlich auch noch falsch ausgeführt. Abends, wenn sie schlief, war ich so K.O., dass an Sport nicht mehr zu denken war.

Also habe ich es irgendwann einfach gelassen.

Bis zu unserem Urlaub in Dänemark, ich hatte meine Laufschuhe dabei. Nach 200 Metern Joggen war klar: Das geht nicht. Mein Beckenboden schwang mit. Alles in mir fühlte sich an, als würde es nach unten ziehen wollen. Ich war sechs Monate nach der Geburt und hatte keine Ahnung, wie ich jetzt weitermachen soll.

Das Schützenfest. Und der Moment, der alles verändert hat.

Im Sommer 2011 bin ich alleine auf das Hannoveraner Schützenfest gefahren, um die Band eines Freundes zu sehen. Nach einer Stunde musste ich wieder nach Hause: volle Brust, Baby wartete. Im Publikum traf ich einen alten Bekannten aus Hamburg. Wir kamen ins Gespräch. Er erzählte mir, dass seine Frau jetzt Sport mit Baby in der Trage unterrichtet, Kangatraining. Und dass sie es liebt.

Zurück zu Hause meldete ich mich für die Ausbildung an, ohne je eine Stunde mitgemacht zu haben, ohne Ahnung, was das ganz genau ist.

Eine Woche später fuhr ich nach Hamburg zu einer Probestunde. Ich hatte mich vorher schick gemacht, wollte danach noch alte Kollegen von früher besuchen. Daraus wurde nichts. Ich kam schweißgebadet, rot im Gesicht, völlig fertig aus dieser Stunde raus, und so glücklich wie schon lange nicht mehr.

Da wusste ich: Das ist es.

Mama und Fit entsteht. Aus einer Idee.

Meine erste Stunde als Trainerin fiel aus, unsere Tochter hatte einen Krampfanfall, ich fuhr mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus. Die zweite Stunde fand mit zwei Teilnehmerinnen statt. Eine hat bezahlt. Zehn Euro. Den Schein habe ich heute noch.

Aber ich wusste, was ich wollte: Das Angebot, das ich mir selbst so sehr gewünscht hätte. Sport, der Spaß macht. Der zum Schwitzen bringt. Der sicher ist. Der erklärt, was im Körper passiert, in der Schwangerschaft, unter der Geburt, im Wochenbett, in der Rückbildung und danach. Denn der Körper braucht ungefähr ein Jahr, um nach einer Geburt wieder vollständig zu regenerieren. Das weiß kaum jemand. Das hat mir auch niemand gesagt.

Also habe ich gelernt. Fortbildung nach Fortbildung. Beckenboden, Rückbildung, Schwangerschaftssport, Frauengesundheit. Ich habe mein eigenes Rückbildungskonzept geschrieben und zertifizieren lassen. Ich habe Hebammen geschult. Ich habe mein Team ausgebildet, weil ich wollte, dass jede Frau bei Mama und Fit das bekommt, was ich mir damals gewünscht hätte: echtes Wissen, echte Begleitung, echte Sicherheit.

15 Jahre später.

Heute trainieren bei Mama und Fit Frauen an 12 Kursorten in Hannover und online, von der 13. Schwangerschaftswoche bis in die Wechseljahre. Über 5.000 Frauen haben in diesen 15 Jahren bei uns Kurse besucht. 18 Menschen arbeiten für Mama und Fit. Wir sind offizielle Präventionspartnerin der AOK Niedersachsen. Unsere Sport- Kurse werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst.

Aber was mich wirklich stolz macht?

Die Frauen, die durch unsere Kurse ihre erste Mama-Freundschaft geschlossen haben. Die, die verstanden haben, wo ihr Beckenboden ist und was er kann. Die, die nach der Geburt das erste Mal wieder gespürt haben: Dieser Körper gehört mir. Die, für die unsere Kurse das Highlight der Woche sind.

Und die Tatsache, dass ich mit fast 50 so fit bin wie mit Anfang 30 vor der ersten Schwangerschaft, weil ich jeden Tag tue (na gut, fast jeden Tag), was ich meinen Teilnehmerinnen auch empfehle.

Mama und Fit wurde 2011 von Kathrin Loos in Hannover gegründet. Kathrin ist Mutter von zwei Kindern, zertifizierte Präventionstrainerin und Geschäftsführerin der Mama und Fit GmbH